Mittwoch, 11. Mai 2011

Panik und Selbstversorgung

Wenn mann durch die Blogs und Foren des Internets wandert, dann bemerkt man, dass sich langsam, ganz langsam Panik ausbreitet. Was wird aus der Welt, wenn der Euro zusammenbricht? Wenn der Dollar kollabiert? Immer häufiger lesen wir, dass wir uns auf nichts mehr verlassen können, schon gar nicht auf die Sicherheit der Versorgung. Es gibt Anbieter, die uns Lebensmitteljahresrationen anbieten. Man kann sie im Keller einlagern – und dann mit einem guten Sicherheitsgefühl schlafen. Man kann Grundstücke in Panama kaufen und sie selbst bewirtschaften. Als Selbstversorger gegen die Krise. Und man bekommt Anleitungen für Pflanzencontainer. Selbst auf dem Balkon soll eine Selbstversorgung möglich sein (www.growtainer.de).

Sonntag, 8. Mai 2011

Nazi Denkmal

Foto: Kunst (aus: Kaldewei: Stedingsehre, 2006)


Die Freilichtbühne "Stedingsehre" wurde ab 1934 im niedersächsischen Bookholzberg bei Bremen errichtet. Es entstand eine Tribünenanlage mit massivem Kulissendorf nach einem Entwurf des Bühnenarchitekten Reimann. Das Kulissendorf soll das Dorf Altenensch darstellen, in dessen Nachbarschaft die freien Bauern, die sich Stedinger nannten, von den Bremer und Oldenburger Bischöfen im Jahr 1234 blutig unterworfen wurden. Seit 1834 erinnert nahe Altenesch bereits ein Gedenkstein, aufgestellt vom Oldenburger Herzog (als symbolische Wiedergutmachung) an die Schlacht.
Die Nazis erkannten die symbolische Qualität des Stoffes – die Unterdrückung freier, stolzer Bauern durch Bischöfe. Sie entschieden sich, für das Bühnenstück des Oldenburger Schriftstellers August Hinrichs – "De Stedinge" - eine eigene Freilichtbühne zu errichten.
Das Kulissendorf bestand aus zahlreichen Fachwerkhäusern, einer massiven Kirchen (Innen Beton, Außen Feldsteine), einem Wassergraben und sogar einem Deich mit einer Sielöffnung.
Die Besondere Qualität der Anlage bestand darin, dass man von der Tribüne über das täuschend echte Kulissendorf hinwegblicken konnte und im Hintergrund, auf der Niederung der Wesermarsch, das tatsächliche Altenesch, den historisch belegten Ort der Schlacht erkennen konnte. In Bookholzberg entstand ein Spiel oder ein wirkungsvolles Miteinander von Simulation und Realität.
Viele tausend Menschen besuchten das Bühnenstück, sie wurden mit Zügen aus Oldenburg und Bremen gebracht.
Doch bereits 1937 wurden die Aufführungen beendet. Die Idealisierung des deutschen Bauern passte nicht mehr in die nationalsozialistische Ideologie. In den Fachwerkbauten wurde eine "Gauschulungsstätte" eingerichtet, weitere Bauten wurden errichtet.
1943 wurde die Kirche von einer Fliegerbombe zerstört – man kann aber noch die Grundmauern erkennen. Die Fachwerkbauten werden vom Berufsbildungswerk Bookholzberg genutzt. Die Tribüne befindet sich in einem traurigen Zustand – immerhin konnte eine Überbauung der denkmalgeschützten Anlage vor einigen Jahren verhindert werden.

Foto: (c) Nils Aschenbeck

Foto: (c) Nils Aschenbeck

Dienstag, 3. Mai 2011

Entwurfsmoratorium!

Niemand hat Deutschland in den letzten sechs Jahrzehnten so sehr zerstört - wie die Architekten. Häuser, die sehenswert sind, wurden mit Sicherheit vor dem Zweiten Weltkrieg errichtet. Architektonische Katastrophen stammen mit Sicherheit aus der Zeit danach. Man hat den Eindruck, das nach 1945 (vermutlich schon ein paar Jahre länger) die Architekten dazu ausgebildet werden, monströse Gebilde in bis dahin schöne Städte zu setzen. Jede Generation rechtfertigt Architektensünden mit dem Hinweis, dass man eben zeitgemäß bauen müsse, dass ein Bauwerk die Zeit repräsentiere. Arme moderne Zeit! Geht es uns so viel schlechter als den Menschen um 1880 oder um 1900. Haben wir diese unsensible Architektur, mal ganz in Beton oder, wie heute, meist ganz aus Glas, wirklich verdient? Gehen Sie in die Städte, die im 19. Jahrhundert oder um 1900 groß geworden sind. Jeder Stadtteil aus dieser Epoche ist zehnmal attraktiver als jeder Stadtteil, der seit 1945 entstanden ist. Gibt es Ausnahmen? Ich kenne keine.
Im schweizerischen Basel entstehen seit Jahren extrem moderne Bauten, extreme Kästen, radikale Architektur, von Kritikern bejubelt. Doch wieso funktioniert diese Architektur in Basel? Weil sie im Kontext einer intakten Altstadt steht, weil sie aufgefangen wird von besserer historischer Architektur. Jeder des Basel-Neubauten der letzten 20 Jahre würde in einer der kaputten deutschen Städte nicht helfen, würde schon im benachbarten Lörrach deplaziert wirken. Die Schweizer Botschaft in Berlin, ist, mit Verlaub, eine architektonische Zumutung, die im Baujahr bejubelt wurde, die aber mit jedem jahr, das seitdem vergeht an Traurigkeit gewinnt. Berlin kann Chaos und Beton ertragen, aber die Stadt lebt von der Schönheit des 19. Jahrhunderts, von der Schönheit der "Mietskaserne".
Liebe Architekten. Baut ein Jahr lang keine eigenen Entwürfe. Kopiert bitte die Ideen aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert (bis 1914). Verzichtet auf eigene Ideen, solange sie nur Moden wiedergeben. Manche Ausnahmen mögen gerechtfertigt sein. Ja, begründet eure eigenen Ausnahmen, erklärt, warum eure Entwürfe die Stadt nicht weiter zugrunde richten. Ich will mich gerne überzeugen lassen.

Sonntag, 1. Mai 2011

Sensenmann


gesehen im Bremer Ostertor-Viertel.
Foto: (c) Nils Aschenbeck

Dienstag, 26. April 2011

Shootings in der Südzentrale

(c) Sarah Kelly http://boosaky.blogspot.com


Das vor dem Abriss stehende Marinekraftwerk "Südzentrale" der Kaiserlichen Werft in Wilhelmshaven (siehe älteren Artikel in diesem Blog) ist seit Jahren beliebte Location für Fotografen. Eindrucksvolle Arbeiten zeigt die Fotografin Sarah Kelly in ihrem Blog (http://boosaky.blogspot.com). Sie bietet in ihrem Blog an, am voraussichtlich letzten Shooting in der Südzentrale teilzunehmen (siehe Bild unten). – Danke für die Genehmigung, die Bilder hier zu posten.

(c) Sarah Kelly http://boosaky.blogspot.com
(c) Sarah Kelly http://boosaky.blogspot.com

Jalta - neu gegen alt



Im beliebten ukrainischen Kurort Jalta auf der Krim steht alte Architektur aus dem 19. Jahrhundert neben neuen, schnell errichteten Hochhäusern und Appartement-Blöcken. Jeder Gang durch Jalta ist eine Entdeckungsreise. Jalta hat nur etwa 80.000 Einwohner, eine im ukrainisch-russischen Vergleich geringe Einwohnerzahl. Aber die vielen Touristen lassen den Ort am Schwarzen Meer viel größer erscheinen. Der boomende Tourismus – vor allem Russen kommen in den Ort mit subtropischen Klima – gefährdet jedoch die alte Architektur – Paläste, Geschäftshäuser und Holzhütten.

Typisch Jalta: Eine wildwuchernde Stadt


Neubau mit historischen Anklängen

Sowjet-Kiosk

Jugendstil-Detail an einer Villa


Neubau- und Sanierungsprojekt. Hier lebte der armenische Komponist
Alexander Spendiarov von 1901 bis 1916

alle Fotos: (c) Nils Aschenbeck

Montag, 25. April 2011

Architektur, Selbstmorde und andere Katastrophen


Der französische Philosoph Paul Virilio sagt, dass jede Technik, jedes Medium seine eigene Unfallart hervorbringt. Mit der Eisenbahn kamen die Zugunglücke, mit der Atomenergie die Größten Anzunehmenden Unfälle (GAUs). Was sind nun die Unfälle, die moderne Architektur hervorbringt? Etwa Hauseinstürze, kollabierende Hochhäuser bei Erdbeben oder gar symbolische Zerstörungen wie die der Twintower am 11. September 2001?
Tatsächlich lassen sich Katastrophen oder singuläre Unglücke direkt mit Architektur in Verbindung bringen. So besteht eine enge Abhängigkeit von Selbstmorden und der modernen Stahlbetonarchitektur. Es ist nicht nur die Höhe von Hochhäusern, die den Selbstmord begünstigt. Auch die Stapelung einsamer Menschen in serieller Betonarchitektur beinhaltet als Fluchtmöglichkeit den Selbstmord, den Sprung von der trostlosen Dachfläche hinunter auf die Teerfläche der Straße.